Monatsarchiv für September 2008

6. Etappe Papstdorf – Pirna

Donnerstag, den 25. September 2008

Wegpunkte: Papststein – Gohrischstein – Pfaffenstein – Königstein (Festungsbesichtigung) – Pirna – Dresden
km: ca. 30 km
Laufzeit: ca.12h (mit Pausen)
Übernachtung: zu Hause im Bettchen

Als ich loslief, war es soweit, es gab das erste Mal richtig Regen. Nichtsdestotrotz ging es mir gut und wenn es einem gut geht, dann stört einen auch nichts. Ich war richtig zufrieden, glücklich und seelig. Heute gab es 2 Möglichkeiten. Entweder ich machte noch einen Zwischenstopp in Weißig oder ich lief gleich bis Pirna durch. Leider ist es in Weißig bei beiden bezahlbaren Pensionen, die im Malerbuchheft angegeben waren, nicht möglich nur eine Nacht zu schlafen.

Keck war das halbwüchsige Dammwild (Gehege bei Papstdorf)
Keck war das halbwüchsige Dammwild (Gehege bei Papstdorf)

Ich frage mich allerdings, warum sie dann in dem Prospekt stehen. Also würde ich heute bis Pirna laufen. Ein ganz schöner Kanten über 4 Steine. Da ich gestern schon eher aufgehört hatte, waren ncoh 5km aufzuholen. Das Essen bei Schmidts war gut und reichlich. Nebenbei will man aber auch viel sehen. Das war also der Zwiespalt in welchem ich heute steckte. Die ganze Tour bis hierher hat mir sehr viel gegeben. Schlusseindlich sollte mandas wirklich öfter machen. Aber es wurde auch sehr anstrengend heute. Den Papststein genoss ich für mich ganz allein. Keiner war da.

Der Wanderer im Nebelmeer auf dem Gohrischstein
„Der Wanderer im Nebelmeer“ auf dem Gohrischstein

Einige altbekannte Damen aus der Neumannmühle (aus Bayern), die ebenfalls den Malerweg liefen traf ich in der Pfaffensteinbaude. Sie sind sehr nett und urig. Das hat mir sehr gefallen.

Die Baberine am Pfaffenstein
Die Baberine am Pfaffenstein

Leider musste ich das Tempo heute dann doch forcieren, um nicht im Dunkeln laufen zu müssen, da das wirklich gefährlich werden kann. Auf dem Königstein besichtigte ich im Eiltempo noch die Festung und genoss ein wenig den Ausblick.

Auf der Festung Königstein (Blick nach Königstein)
Auf der Festung Königstein (Blick nach Königstein)

Die letzten km ließ ich dann Weißig rechts liegen und lief über den kleinen Bärenstein, da es langsam dämmerte. Ich kam dann ziemlich fertig gegen 20:00 in Pirna an und fuhr dann mit der Bahn nach Hause.
Der Weg ist sehr zu empfehlen und man sollte ihn wirklich bald laufen, da ein Ansteig an Menschenzulauf sehr wahrscheinlkich ist und der Weg dadurch sicherlich sehr viel Reiz verlieren wird.

5. Etappe Schmilka – Papstdorf

Mittwoch, den 24. September 2008

Wegpunkte: Kaiserkrone – Reinhardtsdorf – Kanigstein – Krippen – Kohlbornstein – Liethenmühle (Einkehr + Übernachtung möglich) – Papstdorf
km: ca. 15 km
Laufzeit: ca. 8h (mit Pausen)
Übernachtung: Gästehaus Schmidt Bauerngasse 91 in Papstdorf (25,-) (empfehlenswert)

Diesen Morgen blieb ich etwas länger liegen, denn der Regen klatschte an das Fenster. Er hörte dann auf und so stand ich auch auf.
Ich nahm ein tolles Frühstück (das war mit drin) zu mir. Es fehlte an gar nichts. Dann checkte ich aus und begab mich in Richtung Kaiserkrone, auf den Spuren von Caspar-David-Friedrich. Ich überquerte die Elbe mit der Fähre (auf die Königsteiner Seite) und wanderte weiter. An diesem Tag sollten mir wirklich wunderbare Dinge passieren. Ich sah nämlich 5 unterschiedlich Feuersalamander. Die Spezies ist sehr bedroht in Deutschland und deshalb sehr selten.

Einer der 5 Feuersalamander
Einer der 5 Feuersalamander

Den letzten Feuersalamander habe ich vor 20 Jahren im Tharanter Wald gesehen, so dass meine Freude wirklich riesig war, so ein tolles Tier leibhaftig frei zu erleben. Auf der Kaiserkrone sollte man unbedingt das Panorama genießen. Ich hatte das Glück, dass das gesamte Elbtal mit Nebelfetzen überflutet war. Ein atemberaubender Anblick.

Der atemberaubende Ausblick von der Kaiserkrone
Der atemberaubende Ausblick von der Kaiserkrone

So viel Schönheit in einem Moment, mir fehlt dazu jede Beschreibung. Der Regen hörte nach einer gewissen Zeit auf und ich konnte trockenen Fusses weiterlaufe. Der Wald schützt einen aber auch sehr gut bei Regen, so dass man kaum nass wird. Zur Gemütslage auf dem Rest der Etappe gibt ein Wort, was es am besten beschreibt: „Zufriedenheit“.
Nachdem ich die Kohlhornaussicht genossen hatte, lief ich weiter zur Liethenmühle.

Auf der Kohlhornaussicht
Auf der Kohlhornaussicht

Dort kann man Essen und Übernachten (16,50 mit Frühstück). Allerdings riecht es dort nach kaltem Rauch. Das Essen aber war ausgezeichnet. Dann rief ich die Pension „Gästehaus Schmidt“ (nicht leicht zu finden) an und machte mein Zimmer klar. Abends aß ich noch in der Dorfgaststätte und nahm das eine oder andere Bierchen.

4. Etappe Neumannmühle – Schmilka

Dienstag, den 23. September 2008

Wegpunkte: Neumannmühle – Mühlschlucht – Großes Pohlshorn – Zeughaus – Hrensko – Schmilka
km: ca. 25 km
Laufzeit: ca. 9h (mit Pausen)
Übernachtung: Hotel Helvetia (35,-)

Die Nacht war nicht ganz so ungestört, da ich mich mit dem Schnarchen ein Etage unter mir anfreunden musste. Trotzallem wachte ich erholt auf. Es gab en mehr als ausreichendes Frühstück. Die Neumannmühle weiß eben was müde Wanderer flott macht. Gegen 8:30 ging es dann wieder auf Schusters Rappen. Als erstes erreichte ich die Raubburg in Arnstein (Ottendorfer Raubschloss). Da diese Burg vermutlich komplett aus Holz war kann man nur noch die in den Stein gehauene Zisterne erkennen und die Fassungen für die Balken. Es regt jedes Mal meinen Entdeckerinstinkt, wenn ich auf soetwas stoße. Es blieb auch heute wieder trocken.

skuril und schön
skuril und schön

Ein kleines Problem habe ich als Sportler. Mein Körper will immer volle Pulle loslegen. In den Momenten, wo ich dies ausblenden kann, erfahre ich eine Zeit höchsten seelischen Genusses. Der Duft von Farnen, der des Waldes, Rehspuren im Sand, der Fels, das Moos und alle dies Komponenten spielen perfekt zusammen. Es ist schwer soetwas zu begreifen, aber das wollte ich gar nicht.Am Zeughaus aß ich dann ein schönes Mittagessen, welches aus Sellerieschnitzel bestand.

Das Zeughaus
Das Zeughaus

Die Sächsische Schweiz wird auch immer mehr für wohlbetuchte Snops und Selbstdarsteller interessant, die man aber Gott sei Dank auf den Wanderrouten sehr, sehr selten trifft. Nach einer kleinen Odysee kam ich dann abends wohlbehalten in Hrensko und später in Schmilka an.

Ausblicke
Ausblicke

In Schmilka suchte ich eine Pension. Die fand ich auch und klingelte. Plötzlich meldete sich die Rezeption des Nobelhotels Helvetia. Sie sagten ich solle vorbeikommen, sie bieten mir ein Zimmer für den gleichen Preis wie in der Pension an.
Meine Fresse und was für ein Zimmer! Ich würde mal behaupten so schön hatte ich es noch nie in einem Hotel. Das waren bestimmt 4 Sterne.Aber das hatte ich mir heute mal verdient -sag ich mal so.

3. Etappe Ostrau – Neumannmühle

Montag, den 22. September 2008

Wegpunkte: Lattengrund – Schrammsteinaussicht – kleines Prebischtor – Carolafelsen – Wilde Hölle – Zwillingsstiege – Häntzschelstiege – Sandloch -Kuhstall – Neumannmühle
km: ca. 15 km
Laufzeit: ca. 8h (mit Pausen)
Übernachtung: Neumannmühle (13,-)

Leider hatte meine gestern kennegelernte Kellnerin keinen Dienst und so aß ich das reichlich aufgetischte Wanderermal in geringer Gesellschaft. Die Schrammsteinbaude war weit mehr besucht, als ich dachte. Auf der heutigen Etappe wollte ich ein wenig abseits vom Malerweg beginnnen und ein wenig abwandeln, da die Führung im Heft doch etwas lasch war und ich mich in der Gegend ein wenig auskenne. Ich hatte heute mit viel Regen gerechnet, aber es blieb sehr trocken. Ich brach sehr früh auf und war bereits gegen 8:00 unterwegs. Keine Menschenseele war unterwegs. Die Stille im Wald erzeugt ein Druckgefühl im Ohr. Einfach nur herrlich.
Der Lattengrund ist als Ausweichvariante sehr zu empfehlen. Die Menschenleere 40 km von der Zivilisation überrascht mich immer wieder positiv.

Die Schrammsteinsaussicht (Teilansicht)
Die Schrammsteinsaussicht (Teilansicht)

Am Carolafelsen hatte ich dann meine „erste“ Begegnung mit Menschen. Ich setzte mich ein wenig abseits und genoss 30 min die Ruhe.

Die Wilde Hölle
Die Wilde Hölle

Am Kuhstall telefonierte ich dann mit Markus dem Neumannmühlenwirt, ob noch etwas frei wäre in seiner kleinen aber supergenialen kleinen Pension. Es war noch etwas im Matratzenlager frei, wie frei sah ich später.

Der Kuhstall
Der Kuhstall

Unten im Tal angekommen schaute ich mir das alte technische Museum „Neumannmühle“ – früher eine Pappmühle- an, das mich sehr zum staunen brachte, da alles noch funktionstüchtig ist.

Das technische Museum Neumannmühle
Das technische Museum Neumannmühle

Ich sammelte sehr viel Kraft in diesen wunderbaren Stunden der Wanderung.

2. Etappe Hohnstein-Ostrau (Schrammsteinbaude)

Sonntag, den 21. September 2008

km: ca. 15 km
Laufzeit: ca. 8h (mit Pausen)
Übernachtung: Schrammsteinbaude (32,-)

Die Nacht war etwas unruhig, da ein paar Berliner ein wenig feierten. War egal, denn ich schlief so schnell wieder ein, wie ich wach wach geworden war.

Auf der Burg Hohenstein
Auf der Burg Hohenstein

Der Morgen war verregnet. Auch das war mir egal – Was ist bloß los mit mir?- . Regen war mir noch nie egal.
Kein Meckern darüber, sondern wirkliche innere Freude, dass es weitergehen konnte. Ich schnürte meine Stiefel und los ging es im Sauseschritt. Heute sollte es dann endlich auch fast menschenleer werden, so wie ich mir das gewünscht habe.
An der Gautschgrotte machte ich einen kleinen Stopp.

Die Gautschgrotte noch ohne Eis
Die Gautschgrotte noch ohne Eis

Dieser Landstrich der Sächsischen Schweiz ist zum jauchzen schön. Der Geruch des Waldes ist so unterschiedlich -mal streng, mal süßlich, würzig-. An der Brandaussicht gab es dann einen kleinen Kaffee. Leider war alles mit Nebel und tief hängenden Wolken so diesig, dass man auf der Aussicht nichts erkennen konnte.

Eine Kiefer trotzt dem Fels
Eine Kiefer trotzt dem Fels

Der Lilienstein, ein in Watte gepackter Umriß, war beeindruckend. Am schönsten ist die Sächsiche Schweiz eben bei oder kurz nach einem Regen, wenn die Gipfel aus dem Wolkenmeer herausschauen und Nebelschwaden an den Steilhängen hinaufziehen.
Besonders schön empfand ich den Aufstieg nach Waitzdorf. Da in der Nähe eine Galloway Rinderfarm ist, aß ich natürlich diese Spezilität.

Die Dorfbachklamm
Die Dorfbachklamm

Wenn man soviel in der Weltgeschichte herumreist, vergisst man sehr schnell, dass man das Schönste vor der eigenen Haustür hat. Abends suchte ich dann noch 3 Pensionen ab, bis ich dann in der Schrammsteinbaude landete. Eine wunderschöne Kellnerin versüßte mir den Abend mit Ihrer Anwesenheit.

1. Etappe Pirna Hohenstein

Samstag, den 20. September 2008

km: ca. 25
Laufzeit: ca. 7,5h (mit Pausen)
Übernachtung: Burg Hohenstein (28,-)

Malerwegführer: [ISBN: 978-3-932281-89-1; Der Malerweg]

Heute früh ging es los. Ich war schon vor lauter Aufregung gegen 6:00 wach und bereits gegen 9:30 in Pirna am Liebetaler Grund. Ich habe mich sehr auf diese Zeit gefreut, da die vorhergehende Zeit doch sehr stressig war. Vorgenommen hatte ich mir den Weg in ca. 8 Tagen abzuschließen. Es sollte aber anders kommen, da man doch fitter ist als man denkt.
Der Liebetaler Grund war mir noch nicht bekannt, da man in der meisten Zeit doch nur in den Affensteinen und Schrammsteinen herummarschiert.

Uttewalder Felsentor

Das Uttewalder Felsentor

Die Bastei als grauseliges Touristenabfettzentrum, lässt man allerdings als Naturliebhaber lieber ganz schnell hinter sich. Der Blick auf Rathen ist allerding einer der schönsten in der Sächsichen Schweiz.

Stadt Rathen vom Basteiblick

Blick auf Rathen (zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Morgen soll es regnen. Ich hoffe aber darauf, dass es nicht alzu doll schüttet, da es doch schon recht frisch ist.
In Wehlen angekommen, war es erst 14:00 und so entschloss ich mich noch die 2. Etappe dranzuhängen. Die führte auf die Burg Hohenstein.

Ruhe mit Träumereien

Ruhe mit Täumereien

Es ist ein herrliches Laufen, denn keiner nervt und die Ruhe ist einfach unglaublich. Abends kam ich dann in der Burg an, auf welcher ich mein Pioniergelöbnis ablegte. Inzwischen ist es ein Naturfreundehaus, in welchem man doch relativ preiswert nächtigen kann.

Der Malerweg -Natur und Kunst in Symbiose-

Donnerstag, den 18. September 2008

Im Leben eines Menschen wie mir reifen viele Früchte des Erlebenmöchtens. Manche fallen aber so schnell wieder vom Baum des Lebens ab, wie sie entstanden sind. Andere lassen sich leicht verwirklichen oder sind so ein Herzenswunsch -dass man sie auch wenn es länger dauern könnte- mit größter Energie umsetzt.
Der Malerweg wurde mir erst recht spät bekannt. Komisch, denn er läuft ca. 40 km von meiner Heimatstadt entfernt durch eine der schönsten Landschaften Deutschlands.

Jahrunderte altes Wegenetz in der Sächsischen Schweiz
Wege leben, egal wie alt sie sind…

Ich habe die Chance genutzt, da ich vermute, dass in nächster Zeit doch ein erhebliches Aufkommen an Touristen herrschen wird, dass zu einem Verlust des Charme des Weges führen könnte. So wie eben auf dem Camino der Frances.
Die beste Reisezeit war also außerhalb der Ferien, am Besten in der Woche. Gesagt, getan und ich wurde nicht enttäuscht.
Herrliche Landschaften, nette und nicht nette Leute, aber alles in Allem ein herausragendes Wandererlebnis, dass mir viel gebracht hat. Nächstes Jahr werde ich sicherlich, wenn ich Zeit finde noch etwas später, nämlich im Oktober losziehen, diesmal aber dann wirklich mit Schlafsack Isomatte und Tarp.
Viel Spass beim Lesen.